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Gewalt gegen Frauen ächten, Gewaltschutz stärken

Freitag, 23. November 2018

In hessischen Frauenhäusern fehlen aktuell mindestens 300 Plätze für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. PARITÄTISCHER Hessen appelliert an die künftigen Koalitionäre dies zu ändern.

In hessischen Frauenhäusern fehlen aktuell mindestens 300 Plätze für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Darauf macht der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hessen aus Anlass des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November aufmerksam. Angesichts auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen fordert der Verband CDU und Grüne auf, in der kommenden Legislaturperiode deutlich mehr in den Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt zu investieren. Dabei müssen insbesondere auch Frauen mit Behinderung, wohnungslose und geflüchtet Frauen verstärkt in den Blick genommen werden.

"Nicht nur die Kapazitäten der Frauenhäuser müssen dringend aufgestockt werden. Auch die Maßnahmen zur Gewaltprävention und die Beratungsangebote für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder reichen in Hessen bei Weitem nicht aus", sagt Dr. Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin des PARITÄTISCHEN Hessen.

Richtschnur für den Koalitionsvertrag muss beim Thema Gewaltschutz die völkerrechtlich verbindliche Istanbul-Konvention sein, die in Deutschland im Februar 2018 in Kraft getreten ist. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten, umfassende Maßnahmen zu Prävention, Intervention, Schutz und rechtlichen Sanktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu ergreifen. "Um die Istanbul-Konvention umzusetzen, sollte die Landesregierung eine entsprechende Koordinierungsstelle einrichten", fordert Maria-Theresia Schalk, Referentin Frauen und Mädchen beim PARITÄTISCHEN Hessen. "Der bestehende Landesaktionsplan zur Bekämpfung der Gewalt im häuslichen Bereich muss weiterentwickelt und das Hilfesystem bei Gewalt verlässlich finanziert werden." Eine weitere Forderung des PARITÄTISCHEN Hessen an die alten und neuen Koalitionäre ist, dass eine medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung flächendeckend etabliert und finanziert wird.

Der PARITÄTISCHE Hessen begrüßt ausdrücklich, dass die hessische Landesregierung in den vergangenen Jahren einen besonderen Fokus auf die Bekämpfung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen gelegt hat und die Fördermittel in diesem Bereich deutlich aufgestockt hat. Nicht zuletzt durch die repräsentativen Ergebnisse der vom Kultusministerium beauftragten SPEAK-Studien wurde in der vorigen Legislaturperiode das alarmierende Ausmaß sexualisierter Gewalterfahrungen bei weiblichen und männlichen Jugendlichen offenkundig. Dabei zeigte sich, dass Mädchen signifikant häufiger als Jungen von körperlicher sexualisierter Gewalt betroffen sind. Ein weiterer, sehr ernst zu nehmender Befund der Studie ist der festgestellte hohe Pornografiekonsum männlicher Jugendlicher.

Der PARITÄTISCHE Hessen fordert in diesem Zusammenhang unter anderem, dass die Landesregierung Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen flächendeckend ausbaut. Um Maßnahmen aus der SPEAK -Studie abzuleiten und Jugendliche davor zu schützen, dass sie Opfer oder Täter werden, sollte ein Runder Tisch zur Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen einberufen werden. "Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine Menschenrechtsverletzung", sagt Maria-Theresia Schalk: "Den unhaltbaren Zustand, dass Frauenhäuser in Hessen einen Großteil der hilfesuchenden Frauen abweisen müssen, weil sie keine freien Plätze haben, muss die künftige hessische Landesregierung umgehend beenden. Ebenso müssen Jugendliche an hessischen Schulen wirkungsvoll vor sexualisierter Gewalt geschützt werden."