Feedback

Gemeinsame Erklärung

Montag, 26. Februar 2018

Inklusion ist geltendes Menschenrecht, das man nicht einfach „aussetzen“ oder verzögern darf.

Das schreiben in einer gemeinsamen Erlärung die Organisationen Gemeinsam leben Hessen e.V, Autismus-Rhein-Main, Autismus MTK, Elterninitiative Groß-Gerau, Gemeinsam leben Frankfurt e.V., IGEL-OF e.V., IGEL-WI, Kasseler Bündnis Inklusion e.V., Netzwerk Inklusion FFM, Netzwerk Inklusion HU/MKK und Wir Dabei! e.V.:

Nicht die Frage, ob, sondern wie Inklusion umgesetzt wird und wie die Umsetzung verbessert werden muss, ist wesentlich. Denn es gibt kein Wahlrecht, ob man es umsetzt oder nicht. Es ist für das deutsche Rechts- und Bildungssystem in unserer demokratischen Gesellschaft insgesamt beschämend, wie mit den Grundrechten und Interessen von Menschen mit Behinderungen, Beeinträchtigungen und besonderen Bedürfnissen umgegangen wird.

Jeder Mensch, der aktiv an der Umsetzung der Inklusion mitwirkt, muss sich in die Rolle der Person versetzen können, deren Rechtsanspruch ausgesetzt werden soll. Sollten nicht alle Bestrebungen dahingehen, endlich geltendes Recht menschenwürdig für alle Mitglieder dieser Gesellschaft anzuwenden, anstatt nur zu kritisieren und zu jammern?

Schon seit Anfang der 90er Jahre entwickelte sich unsere Gesetzgebung für Menschen mit Behinderungen, aber auch für Kinder und Jugendliche, hin zu einem Recht der Selbstbestimmung und des Respekts vor den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Betroffenen, anstatt sie weiterhin als Objekte der Fürsorge zu betrachten. Die derzeitig laut vorgebrachten Interessen und Belange der Berufsverbände der Lehrerschaft können in der heutigen Situation oftmals nachvollzogen werden. Wir verstehen, dass sich viele Lehrkräfte durch stetig neue Aufgaben und fehlendes oder ungenügend ausgebildetes Personal überlastet fühlen. Doch diese Probleme wurden nicht durch die UN-BRK und Inklusion verursacht. Sie sind nicht auf das Thema Inklusion zurückzuführen. Und doch werden die Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen, die gemeinsam mit den anderen in die allgemeine Schule gehen, unaufhörlich und nahezu ausschließlich als Kostenverursacher, Störenfriede und Zumutung durch die öffentlichen Medien angeprangert.

Wer später in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft leben will, muss schon in der Schule lernen können, mit Verschiedenheit umzugehen und den Einzelnen als vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied der Gemeinschaft und Gesellschaft zu akzeptieren. Das gilt für alle Menschen, alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderungen. Es wäre endlich an der Zeit, das Schulsystem den heutigen Anforderungen von Vielfalt und Verschiedenheit in der heutigen Gesellschaft anzupassen. In der Wirtschaft ist ausreichend Kapital dafür vorhanden. Der politische Wille für diese zutiefst demokratische Entscheidung fehlt aber bis jetzt. Wir fordern eine Neuausrichtung und Neustrukturierung der Inklusion in unserem Land und unserer Gesellschaft. Inklusion ist keine Sache der Freiwilligkeit: Der UN-Fachausschuss erinnert in seinem Kommentar zu Artikel 24 UN-BRK daran, „dass Artikel 4 Absatz 5 von Bundesstaaten verlangt, dass Artikel 24 ohne Einschränkung oder Ausnahmen für alle Teile des Vertragsstaats umgesetzt wird."

Pressemitteilung und Forderungen der Organisationen (PDF)