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Abschiebung in den Bürgerkrieg

Dienstag, 04. Dezember 2018

Beratungsstelle FATRA kritisiert die psychische Belastung für alle Geflüchteten aus Afgahanistan und fordert eine sicher Bleibeperspektive.

Der Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil e. V. (FATRA) ist eine psychosoziale Beratungsstelle für Flüchtlinge und Folteropfer und Mitgliedsorganisation des PARITÄTISCHEN Hessen. 

Angesichts der 19. Sammelabscheibung, die am 4. Dezember vom flughafen frankfurt starten soll, fordert die Beratungsstelle eine Abscheibestopp und schreibt in einer Pressemitteilung:

"Seit zwei Jahren werden Abschiebungen nach Afghanistan durchgeführt und seither beobachten wir eine Zunahme an Anfragen von afghanischen Geflüchteten in unserer psychosozialen Beratungsstelle, die sich wegen gravierender psychischer Symptome an uns wenden.

Diese Menschen berichten über massive Grausamkeiten und erschreckende Gewalt, die sie selbst unmittelbar erlebt haben und die ihnen weiterhin gedroht hätten – bis hin zu konkreten Lebensbedrohungen – wenn sie nicht aus ihrem Land geflohen wären. Sie berichten von erschreckenden Nachrichten von ihren Angehörigen und Freunden, die zurückgeblieben sind, von ständigen Bombenattentaten und dass wieder ein Freund oder Angehöriger dabei ums Leben gekommen ist. Die Angst, dass auch sie abgeschoben werden könnten, reaktiviert die psychischen Traumafolgestörungen, die sie durch die Erlebnisse in ihrem Heimatland erlitten haben. Die Folge, mit der wir in unserer psychosozialen Beratungstätigkeit konfrontiert sind, ist eine Zunahme von Symptomen wie Konzentrationsstörungen, psychosomatischen Folgeerscheinungen, ständige quälende Erinnerungen an die erlebte Gewalt, Schlafstörungen, Alpträume und anhaltende Ängste. Dies beeinträchtigt auch bisher schon erreichte Integrationsschritte massiv. Lernerfolge in der Schule und im Deutschkurs gehen zurück, bei manchen führt jeder Schritt in die Öffentlichkeit zu massiven Ängsten. Soziale Beziehungen, die schon geknüpft wurden, zerbrechen wieder. Hoffnungen auf ein neues Leben in Frieden werden erschüttert und das zerstört Motivationen, sich zu engagieren. Von all diesen Begleiterscheinungen der auch in und von Hessen aus praktizierten Abschiebungspolitik nach Afghanistan sind auch Flüchtlinge betroffen, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, die nicht zum Personenkreis der Straffälligen oder Gefährder zählen als jener Gruppe, die aus Hessen abgeschoben wird. Die Angst geht um in der afghanischen Community, denn sie erleben die Abschiebungen als existenzielle Bedrohung und fürchten um ihr eigenes Leben.

Vollständige Pressemitteilung (PDF)