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Armut: Lage in Hessen verschlechtert sich dramatisch

Erneuerter Anstieg: 2021 waren 18,3 Prozent der Bevölkerung betroffen

Die Abwärts-Spirale setzt sich fort, und der Abstand zum Bundesdurchschnitt wächst weiter: In Hessen ist die Armut binnen eines Jahres von 17,4 auf 18,3 Prozent gestiegen – das ist erneut ein historischer Höchststand. Im Länder-Ranking ist Hessen im freien Fall und rutscht von Platz 7 auf Platz 11 ab. Das geht aus dem Armutsbericht hervor, den der Paritätische Gesamtverband heute in Berlin veröffentlicht hat. Demnach liegt die Armut im Bundesdurchschnitt bei 16,5 Prozent und damit um 1,8 Prozentpunkte niedriger als in Hessen. „Wir sind schockiert, dass sich die Armut in Hessen weiter verschärft“, kommentiert  Dr. Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen: „Die schwarz-grüne Landesregierung muss dringend gezielt gegensteuern, um eine Trendwende herbeizuführen. Überzeugende Konzepte zur Armutsbekämpfung sollten ein zentrales Thema im kommenden Landtagswahlkampf werden und im Herbst 2023 den Ausschlag an den Wahlurnen geben.“

Vom Spitzenplatz weit nach unten abgesackt
2015 lag Hessen bei der Armutsquote noch direkt hinter Baden-Württemberg und Bayern auf einem guten dritten Platz. Inzwischen hat es unter den westdeutschen Flächenländern die zweithöchste Armutsquote, mit einem Abstand von nur 0,4 Prozentpunkten zum Schlusslicht Nordrhein-Westfalen. Im hessenweiten Vergleich ist die Armutsquote in Mittelhessen mit 20,1 Prozent am höchsten, gefolgt von Nordhessen mit 18,6 Prozent, Osthessen mit 18 Prozent, Südhessen mit 17,8 Prozent und dem Rhein-Main-Gebiet mit 17,7 Prozent.

„Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben 2021 offenbar die  Armut in die Höhe getrieben. Bundesweit ist sie unter Erwerbstätigen deutlich gestiegen, insbesondere unter Selbständigen. Armutshöchststände verzeichnen auch Rentner*innen sowie Kinder und Jugendliche“, sagt Annette Wippermann, Referentin für Arbeitsmarkpolitik und Grundsatzfragen beim Paritätischen Hessen. „Die ökonomischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs lassen eine weiteren Verschärfung der Lage befürchten.“

Der Paritätische Gesamtverband und der Paritätischen Hessen appellieren an die Bundesregierung, umgehend ein weiteres Entlastungspaket auf den Weg zu bringen: Grundsicherung, Wohngeld und BAföG müssen bedarfsgerecht angehoben und deutlich ausgeweitet werden, um zielgerichtet und wirksam einkommensarme Haushalte zu unterstützen, denn das jüngste Entlastungspaket ist ungerecht und unzureichend.

Doch auch die Landespolitik kann zur Armutsbekämpfung beitragen: Um den Niedriglohnsektor zu verkleinern, muss im öffentlichen Bereich das Vergabe und Tariftreuegesetz eingehalten werden. Ebenso liegt es in der Hand des Landes, mit einem sofortigen Mietenstopp die Wohnkosten einzubremsen

Der Armutsbericht des Paritätischen zählt einer EU-Konvention entsprechend Haushalte als arm, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegen. Diese Armutsschwelle lag 2021 bei einer alleinstehenden Person bei einem monatlichen Einkommen von 1148 Euro, bei einem Paar ohne Kinder bei 1721  Euro. Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gelten nach dieser Definition als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1492  Euro monatlich zur Verfügung haben. Bei einem Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren sind es 2410 Euro.

Den Armutsbericht finden sie unter diesem Link.